Die Kunst, dich nicht zu verlieren, wenn alle etwas von dir wollen

Veröffentlicht am 27. Januar 2026 um 09:20

 

Es beginnt selten laut.

Es beginnt leise.

Mit kleinen Bitten.
Mit kleinen Erwartungen.
Mit kleinen „Kannst du mal…?“
Mit kleinen „Du bist doch immer so verständnisvoll…“

 

Und weil du ein Mensch bist, der fühlt, der denkt, der mitgeht, sagst du:

Ja.

Nicht einmal.
Nicht zweimal.
Immer wieder.

Wenn dein Leben langsam voller wird – und du leerer

Am Anfang merkst du es kaum.

Du bist einfach beschäftigt.
Ein bisschen müde.
Ein bisschen reizbarer.
Ein bisschen schneller erschöpft.

Du erklärst es dir rational:

„Ist halt gerade viel.“
„Geht vorbei.“
„Andere haben es auch schwer.“

Doch innerlich beginnt etwas zu kippen.

Du bist da.
Aber nicht mehr ganz.

Du hörst zu.
Aber mit halbem Herzen.

Du hilfst.
Aber ohne Kraft.

Nicht, weil du nicht willst.
Sondern, weil du dich selbst irgendwo unterwegs verloren hast.

Die stillen Menschen tragen oft die schwersten Lasten

Es sind selten die Lauten, die sich selbst verlieren.

Es sind die Stillen.
Die Vernünftigen.
Die Reflektierten.
Die Verantwortungsbewussten.

Die, die gelernt haben:

„Ich halte das aus.“
„Ich bin stark.“
„Ich mach das schon.“

Diese Menschen werden früh gebraucht.
Und gewöhnen sich daran, gebraucht zu werden.

Irgendwann wissen sie nicht mehr, wie es ist, einfach nur zu sein.

Ohne Funktion.
Ohne Rolle.
Ohne Aufgabe.

Wenn du immer Raum gibst – verschwindest du darin

Vielleicht kennst du das:

Du passt dich an Stimmungen an.
An Bedürfnisse.
An Erwartungen.

Du scannst Räume.
Spürst Spannungen.
Regulierst mit.

Unbewusst.

Du bist emotional wach.
Und das ist eine Gabe.

Aber ohne Grenzen wird sie zur Belastung.

Denn:

Wer ständig Platz macht, hat irgendwann keinen eigenen mehr.

Warum Nein so weh tut

Viele Menschen glauben, sie können nicht „Nein“ sagen, weil sie nett sind.

Die Wahrheit ist tiefer.

Sie sagen nicht Nein, weil sie Angst haben:

vor Ablehnung

vor Liebesentzug

vor Konflikt

vor Schuld

Manche von uns haben früh gelernt:

Liebe = Leistung
Zuwendung = Anpassung
Sicherheit = Funktionieren

Also wird „Nein“ innerlich zu Gefahr.

Nicht logisch.
Emotional.

Dein Körper weiß längst, was du übergehst

Während dein Kopf noch erklärt, dass „alles okay ist“, reagiert dein Körper längst.

Mit:

Erschöpfung

innerer Unruhe

Schlafproblemen

Druck auf der Brust

Gereiztheit

Rückzug

Das ist kein Zufall.

Das ist dein System, das sagt:

„Du gehst gerade über dich hinweg.“

Abgrenzung ist kein Rückzug von Menschen.

Sie ist eine Rückkehr zu dir.

 

Grenzen bedeuten nicht:

„Ich liebe euch weniger.“

 

Sie bedeuten:

„Ich nehme mich ernst.“

 

Du darfst:

Pausen brauchen

Abstand wollen

Dinge nicht erklären

Erwartungen enttäuschen

dich umentscheiden

Ohne dich dafür zu schämen.

Der leise Mut, unbequem zu werden

Wenn du beginnst, dich zu schützen, passiert etwas Interessantes.

Manche Menschen verstehen es.
Manche nicht.

Manche respektieren dich mehr.
Manche entfernen sich.

Das tut weh.

Aber es ist ehrlich.

Nicht jeder gehört in dein inneres Zuhause.

Fragen, die dich zurückholen

Vielleicht magst du dir heute still eine davon stellen:

Wo sage ich Ja, obwohl mein Inneres Nein flüstert?

Wo bleibe ich, obwohl ich mich verliere?

Wem gebe ich mehr als mir selbst?

Was brauche ich – wirklich?

Und dann:
Nimm dich ernst.

Auch wenn es ungewohnt ist.
Auch wenn es Angst macht.

Du bist kein Ort für Dauerzugriff

Du bist ein Mensch.

Mit Grenzen.
Mit Bedürfnissen.
Mit einem eigenen Rhythmus.

Du darfst wählen, wem du deine Energie gibst.

Und wem nicht.

Das ist keine Härte.

Das ist Selbstachtung.

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